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> GENIESSERREGION HOHENLOHE
TIERISCHE STARS


"KNAPP DRAN AN DER WILDSAU"

Klaus Memmler ist einer von sieben Landwirten der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, die Eichelmastschweine halten.

Es ist kurz nach acht, das Thermometer zeigt zwei Grad, vom Himmel fällt leichter Nieselregen. Ein Herbstmorgen in Hohenlohe. „Regen mögen sie nicht so“, sagt der Nebenerwerbslandwirt aus Frankenhardt.

Schwarte an Schwarte kuscheln sie in ihren Weidehütten aneinander. Ab und zu ist ein wohliges Grunzen zu hören. Das wird lauter und zahlreicher, als Klaus Memmler an die Holzhütten klopft. Bewegung kommt in die Sache. Kaum ist die erste Sau aufgesprungen, folgen die borstigen Kollegen nach. Flink und wendig drängen sie ins Freie. Begleitet wird er vom Quieken und Grunzen des Mohrenköpfle-Chors. Mohrenköpfle? So werden die Schwäbisch-Hällischen Landschweine wegen ihrer schwarzen Köpfe und Hinterteile genannt.

„Die machen jetzt erst Mal ihr Geschäft“, sagt Klaus Memmler. Ihre Hütten halten die Schweine sauber. „Sind ja keine Drecksäu‘“, so der Landwirt. Der Niesel hat aufgehört. Die Schweine gehen ihrer Lieblingsbeschäftigung nach. Wühlen im Gras und Dreck, schnüffeln und graben, grunzen und schmatzen. Fressen, was sie finden. Wurzeln, Kräuter, Gras und Äpfel, dazu Würmer, Käfer, Engerlinge – tierisches Eiweiß. Klar, auch die Eicheln der paar Eichen am Weiderand knacken sie. Sind ja auch Eichelmastschweine. Doch satt macht sie die Weide nicht.

„Wir füttern zu“, sagt Bauer Memmler und steuert auf ein Silo am Weiderand zu. Sind da Eicheln drin? „Nein, Pellets“, kontert Memmler und hält dem Frager eine Handvoll der kleinen Würstchen vor die Nase. Die haben es in sich: Gerste und Weizen, die klassischen Hohenloher Getreidearten, Sojabohnen als Eiweißlieferant und – natürlich – 20 Prozent Eicheln. Alles gentechnikfrei, geschrotet und verpresst.

Für Nachschub sorgt die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH). Jeden Herbst ruft sie zur Sammelaktion in Hohenloher Wäldern auf und zahlt 50 Cent fürs Kilo trockene Eicheln. „Kindergärten, Rentner, Schulklassen und Spaziergänger sammeln pro Jahr 20 Tonnen“, weiß Tanja Kurz von der BESH. „Das fressen die saugern“, sagt Klaus Memmler. Man sieht’s und hört’s. Sechs Wochen reicht der Inhalt, 3,5 Tonnen Pellets. Macht im Schnitt knapp drei Kilo Pellets pro Mohrenköpfle und Tag, 600 Gramm Eicheln inklusive.

Einige Schweine rennen wieder Richtung Weidemitte. An  Platz mangelt es ihnen wahrlich nicht.1,2 Hektar ist ihre Weide groß, 14 Quadratmeter mehr als die vorgeschriebene Besatzdichte von 25 Schweinen pro Hektar. „Ein richtiges Schweine-Paradies, die haben Platz, frische Luft, gutes Fressen und Freiheit“, sagt Klaus Memmler. „Na ihr“, fragt er immer wieder, krault mal hier, mal da einen Rücken oder ein schwarzes Schlappohr. Ein Mann großer Worte oder markiger Sprüche ist der Landwirt nicht. Doch wer beobachtet, wie er mit seinen Mohrenköpfle umgeht, sie anschaut, merkt schnell, dass da einer an seinen Sauen hängt.

Klaus Memmler ist einer der Eichelmast-Pioniere der BESH. „Ich bin von Anfang an dabei, seit 2010“, sagt er. Mittlerweile halten sieben Landwirte auf 35 Hektar 500 Eichelmastschweine. Tendenz steigend.

Seine Motivation? Da könnte er viel erzählen. Er sagt stattdessen „Ich mag Säu‘ und will, dass es ihnen gutgeht.“

Von Mai bis Mitte November sind seine Mohrenköpfle auf der Weide. Dann werden sie geschlachtet. Da sind sie etwa zehn Monate alt, wiegen bis zu 150 Kilo und haben ein Schlachtgewicht von rund 120 Kilo. Der Vergleich mit den Mohrenköpfle im Stall zeigt, dass Eichelmastschweine langsamer zulegen und beim Schlachten rund 30 Kilo schwerer und drei Monate älter sind.

„Der Mehraufwand hält sich in Grenzen“, so seine Erfahrung. Sein Aufwand beschränkt sich auf die täglichen Besuche. „Ich schaue morgens, ob genug Futter und Wasser da ist, aber da schlafen sie noch“, berichtet Klaus Memmler.

Krankheiten sind Fehlanzeige, die robuste Landrasse ist für Freilandhaltung prädestiniert. „Ich brauch‘ keinen Tierarzt,“ sagt er. Für Memmler rechnet sich die Eichelmast . Finanziell, weil die BESH fürs Eichelmastschwein fast doppelt so viel zahlt wie fürs normale Mohrenköpfle. Aber auch ideell. „Naturnäher und artgerechter können die nimmer leben, das ist knapp dran an der Wildsau“, schwärmt er.

Deutlich tiefer in die Tasche greifen muss der Verbraucher. Dafür bekommt er  Premiumqualität. Viel Bewegung, frische Luft und das besondere Futter verleihen dem Fleisch einen kernig-nussigen Geschmack. Beim Braten bleibt es zart und saftig. Und weil Fett Geschmacksträger ist, lassen Kenner die dicke Fettschicht der Koteletts oder Steaks immer dran. Besonders gefragt bei Fein- und Schweinschmeckern ist der luftgetrocknete Schinken, der zwölf Monate an der Pfote reift.

Die Saison ist kurz, das Angebot knapper als die Nachfrage. „Wir besinnen uns wieder auf eine alte Tradition“, sagt Tanja Kurz und verweist darauf, dass „noch bis in die 1940er Jahre die Hirten ihre Schweine in die Hohenloher Eichen und Buchenwälder trieben.“

Film über die Eichelmast:
https://www.youtube.com/user/besh1988


 Ab und zu echte Eicheln und der Eichelanteil in den Futterpellets sorgen für eine gute Marmorierung des Fleisches und eine dicke und wohlschmeckende Fettschicht.
Ab und zu echte Eicheln und der Eichelanteil in den Futterpellets sorgen für eine gute Marmorierung des Fleisches und eine dicke und wohlschmeckende Fettschicht.


 Klaus Memmlers Mohrenköpfle fühlen sich sauwohl auf der Weide.
Klaus Memmlers Mohrenköpfle fühlen sich sauwohl auf der Weide.

https://issuu.com/touristikgemeinschafthohenlohe/docs/tgh_genie__erregion_hohenlohe_2017_https://issuu.com/touristikgemeinschafthohenlohe/docs/tgh_genie__erregion_hohenlohe_2017_
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