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> Wild auf Wild
„JAGD IST IMMER NOCH EINE MÄNNERDOMÄNE“

 

Kreisjägermeisterin Dr. Bärbl Baeuerle von der Jägervereinigung Crailsheim ist die erste
und bislang einzige Kreisjägermeisterin im Regierungsbezirk Stuttgart.

Sie wurden im März 2015 von der Jägervereinigung Crailsheim zur bislang ersten Kreisjägermeisterin im Regierungsbezirk Stuttgart gewählt. Hat Sie das überrascht? Fühlen Sie sich als Exotin?
Überrascht war ich insofern, als ich gefragt worden bin, das Amt zu übernehmen. Natürlich habe ich mich auch darüber gefreut. Ich hatte das für mich selber nicht geplant. Das Wort Exotin würde ich nicht benutzen. Ich sehe mich in dieser Funktion nicht in einem Wettbewerb mit Frau und Mann.

Wieso gibt es nicht noch mehr Kreisjägermeisterinnen?
Das kann ich ihnen nicht beantworten. Wir haben noch eine Kreisjägermeisterin in Freiburg und soviel ich weiß eine Stellvertreterin in Heidenheim. Die geringe Anzahl kommt vermutlich einfach daher, dass es immer noch eine Männerdomäne ist.

Welche Unterschiede sehen Sie zwischen Jägerinnen und Jägern?
Also ich würde sagen, Frauen sind grundsätzlich sehr gewissenhaft. Allein schon vor der Schussabgabe. Steht das Stück Wild dann auch wirklich richtig? Habe ich es richtig angesprochen? Wir Frauen gehen bedacht und überlegt an die Sache ran. Auch bei der Aufsicht auf dem Schießstand ist zu beobachten – Frauen vergewissern sich meist mehrmals, ob alle Einstellungen passen, bevor sie einen Schuss abgeben.

Was fasziniert Sie an der Jagd?
Die Verbundenheit mit der Natur und das Erlebnis in der Natur. Mir geht es nicht um das „Beute machen“. Ich bin auch des Öfteren nur auf dem Ansitz und beobachte das Wild.

Wie sind Sie selber zur Jägerei gekommen?
Über meinen Vater. Er ist von Beruf Förster und jetzt im Ruhestand. Ich habe ihn von Kindheit an begleitet, bei Reviergängen und auf dem Ansitz. Meine Kinder begleiten mich auch schon bei Revierarbeiten und bei der Versorgung des erlegten Wildes. Wenn sie damit aufwachsen, sehen sie dies als etwas Selbstverständliches an.

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie auf dem Hochsitz ansitzen und ein Reh oder Wildschwein nähert sich?
Für mich ist es immer aufregend, wenn ich bemerke, dass ein Stück Wild anwechselt. Dann erhöht sich der Puls, man ist aufgeregt. Was für ein Stück tritt aus der Dickung? Das ist Spannung, Erwartung und auch Adrenalin im Blut. Es geht in erster Linie nicht darum ein Stück zu erlegen. Für mich ist es die Begegnung mit einem „freien“ Stück Natur.

Sie sitzen an der Quelle.Wie oft gibt es bei Ihnen zuhause Wildgerichte?
Bei uns zuhause steht zwei bis drei mal im Monat Wild auf der Speisekarte.

Verraten Sie uns Ihr Lieblings-Wildgericht?
Wildschweinbraten mit Wirsingrahmgemüse und Schupfnudeln.

Bei Wildgerichten denken die meisten zuerst mal an Keule, Braten und Rücken.
Was kann man denn aus Wild noch alles machen?

Wir essen zuhause gerne Hackfleischgerichte aus Wildfleisch. Gerade Gerichte für kleine Kinder lassen sich daraus gut zubereiten. Auch Wurstsorten wie Salami und Dosenwurst sowie Rauchfleisch sind eine Bereicherung für jede Vesperplatte. Für alle diese Wurst- und Fleischsorten sind auch Abschnitte, die bei der Zerlegung anfallen, verwendbar.

Welche Beilagen bieten sich für Wildgerichte an?
Da sind dem Koch oder der Köchin keine Grenzen gesetzt. Geeignet sind süß-saure Früchte wie Birnen oder Preiselbeeren. Eine Gemüsebeilage wie Rotkraut oder Wirsing und Spätzle oder Knödel sind immer eine gute Wahl.

Welches Getränk empfehlen Sie zu einem Wildschweinbraten und welches zu einem Rehrücken?
Da Wildfleisch aufgrund seines geringen Fettgehaltes nicht so leicht verdaulich ist und weil Wildfleisch stets einen kräftigen Geschmack besitzt, empfehle ich hierzu auf jeden Fall einen Wein. Der Wein muss kräftig sein, deshalb sind Rotweine die erste Wahl. Ein Spätburgunder ist für beide Wildarten geeignet.

Nach einer Studie des Landwirtschaftsministeriums verzehrt der durchschnittliche Baden-Württemberger jährlich 89,6 Kilo Fleisch, davon nur 600 Gramm Wildbret. Sollten die Leute mehr Wild essen?
Ja natürlich. Wer darauf achtet, was er isst, dem würde ich auf jeden Fall Wildfleisch empfehlen. Man sollte darauf achten, woher das Wild stammt. Ob Farmwild, eventuell sogar aus Übersee, oder heimisches Wild. Ich bevorzuge Wild aus der Region.

Welche Wildarten hat denn Hohenlohe für die Küche zu bieten?
In Hohenlohe gibt es an heimischem Wild vornehmlich Rehwild, Wildschwein und Hase.

Eignet sich Wildbret auch zum Grillen?
Ja natürlich. Lende von Rehwild und Wildschwein lassen sich auch gut auf dem Grill zubereiten. Ebenso Bratwürste aus Wildfleisch oder Hamburger.

Manche Hausfrauen oder -männer trauen sich in der Küche nicht so recht ran ans Wild. Sind Wildgerichte schwieriger zuzubereiten als andere Fleischgerichte?
Eigentlich nicht. Die Gerichte erfordern vielleicht mehr Zeit für die Zubereitung und eine andere Auswahl der Gewürze. Mit etwas Übung ist es jedoch zu meistern.

Was zeichnet Wildfleisch aus? Welche Vorteile hat Wild aus heimischer Jagd?
Der Vorteil von Wild aus heimischer Jagd ist eindeutig das Wissen darüber, woher mein Fleisch stammt. Auch sind mir die Ernährung und die „Haltungsbedingungen“ des Tieres bekannt. Das ist mir aus ethischen Gründen wichtig. Wildfleisch hat auch in der Regel gute Qualität, was Frische und Zartheit anbelangt. Der Verbraucher achtet zunehmend darauf, was er zu sich nimmt. Da kann ich nichts Besseres anbieten als Wild.

Wodurch unterscheidet sich heimisches Wildbret von beispielsweise neuseeländischer Importware?
I
ch selbst habe Importware noch nicht probiert. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass gefarmtes Wildfleisch seinen „wilden Geschmack“ verliert und einheimisches Wild aufgrund seiner Ernährung in Wald und Flur einen würzigeren Geschmack aufweist.

Worauf sollte der Verbraucher beim Wildbretkauf achten?
Ich kann dem Verbraucher empfehlen, beim Kauf von Wild auf Regionalität zu achten. Der Landesjagdverband Baden Württemberg zeichnet Betriebe und Gaststätten, die regionales Wild vermarkten und verarbeiten mit dem Label „Wild aus der Region“ aus. Wer darauf achtet, ist gut beraten.

Wo kann der Verbraucher heimisches Wildbret beziehen?
Am besten man wendet sich an den Jäger vor Ort und bezieht dort sein Wildfleisch. Der Landesjagdverband Baden Württemberg zeichnet auch Gastronomie und Handel mit einer Garantieurkunde aus, wenn Wildfleisch aus der Region bezogen wird.

Herzlichen Dank für das Gespräch und Waidmannsheil – oder sollte man künftig auch den Begriff Waidfrausheil in die Jägersprache einführen?
Ich würde das jetzt aus Gewohnheit einfach mal ablehnen.


 Adrenalin pur – das ist es, was Bärbl Baeuerle empfindet, wenn sie auf der Kanzel sitzt und eine Rotte Schwarzwild aus der Dickung tritt.
Adrenalin pur – das ist es, was Bärbl Baeuerle empfindet, wenn sie auf der Kanzel sitzt und eine Rotte Schwarzwild aus der Dickung tritt.


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GANZ WILD AUF WILD

Wer beim Wildgenuss auf Nummer sicher gehen will und Wert legt auf Qualität, kurze Transportwege, Rückverfolgbarkeit und Beachtung strenger Auflagen hinsichtlich Hygiene, Tierschutz und Nachhaltigkeit, kann sich am Herkunftszeichen „Wild aus der Region“ des Landesjagdverbandes orientieren. Mittler weile wurde das Markenzeichen an fast 600 Metzgereien und Restaurants vergeben. Eine Liste der ausgezeichneten Gaststätten findet sich unter dem Link www.landesjagdverband.de/genuss-wild/rund-ums-wildbret.

Wer wissen will, wer in seiner Nähe regionales Wild verkauft, wird auf der Vermarktungsplattform www.wild-auf-wild.de fündig. Mehr als 30 Wildlieferanten gibt es in der Genießerregion Hohenlohe. Tolle Rezepte, Küchentipps und eine informative Warenkunde runden das Infoangebot dieser Homepage ab.

 

In der Genießerregion Hohenlohe gibt es heimisches Wild bei folgenden Anbietern
(Auswahl, weitere siehe Internet):

  • Fürstliche Forstverwaltung Hohenlohe-Langenburg: Rehwild, Schwarzwild, Wurst, Schinken.
    Schloss 1, 74595 Langenburg, Telefon 07905 9419015 www.schloss-langenburg.de
  • Jäger Andreas Kohler: Rehwild, Schwarzwild. Heiligenberg 18, 74595 Langenburg, Telefon 07905 459
  • Familie Kühnle: Damwild, Wildsalami, Wildschinken.
    Heroltstraße 20/22, 74549 Wolpertshausen-Reinsberg, Telefon 07904 373
  • Fürst Hohenlohe-Oehringen: Dam-, Reh-, Schwarzwild. Vermarktung über Weingut Fürst Hohenlohe-Oehringen,Wiesenkelter, 74613 Öhringen-Verrenberg, Telefon 07941 94910 und Regionalmarkt Hohenlohe, Birkichstraße 10, 74549 Wolpertshausen, Telefon 07904 9438010
  • Schafhof Jauernik: Fleisch und Wurst von Sika- und Damhirschen.
    Am Steg 1, 74626 Bretzfeld-Weißlensburg, Telefon 07946 6226; www.schafhof-jauernik.de
  • Damwildgehege Waldenburg: Damwild, Reh, Wildschwein, Wurst, Rauchfleisch. Hans-Frieder Messerschmidt, Hauptstraße 102, 74638 Waldenburg, Telefon 07942 940808 www.damwildgehege-waldenburg.de
  • Kreisjägervereinigung Mergentheim / Hariolf Scherer: Feldhase, Kaninchen, Rehwild, Schwarzwild. Häldenweg 27, 97980 Bad Mergentheim, Telefon 07931 44686
  • Wolfgang Freund
    Rothermelstraße 8, 97953 Königheim, Telefon 09341 3156
  • Peter Kugler, Försterei
    Laistraße 25, 97947 Grünsfeld, Telefon 09346 588
  • Volker Duschner
    Hölderlinweg 3a, 97941 Tauberbischofsheim Telefon 09341 12477

 

 


https://issuu.com/touristikgemeinschafthohenlohe/docs/tgh_genie__erregion_hohenlohe_2017_https://issuu.com/touristikgemeinschafthohenlohe/docs/tgh_genie__erregion_hohenlohe_2017_
http://www.hohenlohe.de
http://www.hs-tourismus.de
http://www.bad-mergentheim.de